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EFES NEWSLETTER - MÄRZ 2026

  Großbritannien  -  Frau Reeves hat gelogen

In den letzten zehn Jahren hat die Mitarbeiterbeteiligung in KMU in Großbritannien einen außerordentlichen Aufschwung erlebt. Sie entwickelte sich zügig in eine Richtung, in der jedes zehnte KMU im Besitz seiner Mitarbeitenden wäre. In den meisten Fällen werden die Beschäftigten zu 100 % Eigentümer ihres Unternehmens. Ohne einen einzigen Cent aus eigener Tasche ausgeben zu müssen. Dieser Erfolg war auf die Einführung des Employee Ownership Trust Mechanismus 2014 zurückzuführen.

Bis... Die neue Schatz-kanzlerin Rachel Reeves hat eine Änderung für die Übertragung an Arbeitnehmer beschlossen. Anstelle einer 100-prozentigen Steuerbefreiung auf den Veräußerungsgewinn des Unternehmens an die Arbeitnehmer wird die Befreiung auf 50 % reduziert. Die Auswirkungen sind dramatisch. Von einem Tag auf den anderen ist die Übertragung von Unternehmen an die Arbeitnehmer in Großbritannien zum Stillstand gekommen.

Frau Reeves kommentierte ihre Entscheidung mit der Feststellung, dass ein Anreiz von 50 % immer noch sehr hoch sei; auf diese Weise könne die erfolgreiche Übertragung von Unternehmen an Mitarbeiter fortgesetzt werden.

Frau Reeves hat bewusst eine falsche Aussage getroffen. Ihr wusste, dass die Auswirkungen katastrophal sein würden. Sie war durch einen ihr zugestellten Bericht gewarnt worden. In diesem Bericht waren die beiden wichtigsten Steueranreize im Rahmen der EOT-Gesetzgebung (Employee Ownership Trust) detailliert beschrieben.

Der erste Anreiz gilt für die Partei, die das Unternehmen verkauft. Diese Partei ist von der Steuer auf den Verkauf des Unternehmens an einen EOT befreit (Kapitalertragsteuerbefreiung). Diesen Anreiz hat Frau Reeves von 100 % auf 50 % reduziert. In dem Bericht an Frau Reeves wurde festgestellt, dass dieser Anreiz „ein starkes Verkaufsargument für das EOT-Modell“ sei, „das es finanziell attraktiver als andere Formen der Unternehmensveräußerung machte“. Somit „hätten Änderungen der Kapitalertragsteuerbefreiung die Aussicht auf einen Übergang zum EOT-Modell weniger attraktiv gemacht“.

Der zweite Anreiz bezieht sich auf die Gewinne, die das EOT nach dem Verkauf des Unternehmens an die Mitarbeiter-Eigentümer ausschüttet. Diese Ausschüttung kann in Form einer steuerfreien Prämie von bis zu 3.600 £ pro Jahr erfolgen. Gemäß dem Bericht ist dieser Anreiz nicht ausschlaggebend für den Erfolg des EOT-Modells, sondern wird „eher als zusätzlicher Bonus denn als entscheidender Faktor für die Entscheidung für ein EOT-Modell angesehen”.

Für ein vollständiges Bild muss man Folgendes wissen: Beim ersten Anreiz handelt es sich um eine „einmalige Maßnahme“. Dieser ist nicht nur äußerst wirksam, sondern auch kostengünstig für das Finanzministerium. Der zweite Anreiz dagegen ist zwar nicht unverzichtbar, wird allerdings Jahr für Jahr wiederholt, was für das Finanzministerium letztlich sehr kostspielig ist.

Und nun kommt die größte Unwahrheit von allen. Frau Reeves äußerte sich besorgt über die Senkung der Kosten des EOT-Modells für das Finanzministerium. Jedoch entschied Frau Reeves, anstatt den zweiten Anreiz zu reduzieren, der sehr kostspielig und ineffektiv ist, den ersten zu senken, der kostengünstig und hochwirksam ist. Eine ungewöhnliche Berechnung seitens des Finanzministeriums!

Was steckt hinter diesem Rätsel? Bitte üben Sie sich in Geduld, denn die Erklärung wird in einer zukünftigen Ausgabe dieser Chronik folgen. Manche Leser in Großbritannien sind vielleicht bereits damit vertraut. Gerne senden Sie uns bitte Ihre Informationen und Geschichten zu, die uns in Zukunft sicherlich von Nutzen sein werden.

Es gibt nur einen Weg, die Katastrophe abzuwenden. Es ist unerlässlich, die 100-prozentige Steuerbefreiung für Kapitalgewinne aus dem Verkauf eines Unternehmens an Mitarbeitende wieder einzuführen.

Mehr infos   


Presseschau
Eine Auswahl von 26 bemerkenswerten Artikeln in 11 Ländern im Februar 2026: Belgien, Kanada, Spanien, Frankreich, Italien, Norwegen, Slowakei, Slowenien, Schweden, Vereinigtes Königreich, USA.
Belgium: Holacratic governance for employee ownership.
Canada: Calls to make tax incentives for the transfer of businesses to employees permanent.
Spain: In Europe, the startup lobby is controlled from the USA via a few seemingly native hubs and with its own vision of employee ownership.
France: Eres Group annual panorama. The Jean Jaures Foundation frozen in the past.
Italy: New employee share plan for Leonardo.
Norway: Veidekke is one of the best examples of employee ownership in Europe.
Slovakia: First employee share plan for Gevorkyan.
Slovenia: Levica is the political party that advocated the Slovenian way for employee ownership.
Sweden: Orchids for Mr. Rothstein.
UK: Still a few isolated cases of business transfers to Employee Ownership Trusts.
USA: Business transfers through various trust models.

Den vollständigen Presseüberblick erhalten Sie unter:
              https://www.efesonline.org/PRESS REVIEW/2026/February.htm 


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   Mit besten Grüßen

 

 
 

Marc Mathieu
Generalsekretär
EFES - EUROPEAN FEDERATION OF EMPLOYEE SHARE OWNERSHIP
EFAK - EUROPÄISCHE FÖDERATION FÜR ARBEITNEHMERKAPITALBETEILIGUNG
Avenue Voltaire 135, B-1030 Brüssel
Tel: +32 (0)2 242 64 30 - Fax: +32 (0)2 791 96 00
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Die EFES ist die Dachorganisation für kapitalbeteiligte Arbeitnehmer, Unternehmen und jeder Person, Gewerkschaft, Experte, Forscher, Institution, die Arbeitnehmerkapitalbeteiligung in Europa fördern wollen.