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In
den letzten zehn Jahren hat die Mitarbeiterbeteiligung
in KMU in Großbritannien einen außerordentlichen Aufschwung
erlebt. Sie entwickelte sich zügig in eine Richtung,
in der jedes zehnte KMU im Besitz seiner Mitarbeitenden
wäre. In den meisten Fällen werden die Beschäftigten
zu 100 % Eigentümer ihres Unternehmens. Ohne einen
einzigen Cent aus eigener Tasche ausgeben zu müssen.
Dieser Erfolg war auf die Einführung des Employee
Ownership Trust Mechanismus 2014 zurückzuführen.
Bis...
Die neue Schatz-kanzlerin Rachel Reeves hat eine Änderung
für die Übertragung an Arbeitnehmer beschlossen. Anstelle
einer 100-prozentigen Steuerbefreiung auf den Veräußerungsgewinn
des Unternehmens an die Arbeitnehmer wird die Befreiung
auf 50 % reduziert. Die Auswirkungen sind dramatisch.
Von einem Tag auf den anderen ist die Übertragung
von Unternehmen an die Arbeitnehmer in Großbritannien
zum Stillstand gekommen.
Frau
Reeves kommentierte ihre Entscheidung mit der Feststellung,
dass ein Anreiz von 50 % immer noch sehr hoch sei;
auf diese Weise könne die erfolgreiche Übertragung
von Unternehmen an Mitarbeiter fortgesetzt werden.
Frau Reeves hat bewusst eine falsche Aussage getroffen.
Ihr wusste, dass die Auswirkungen katastrophal sein
würden. Sie war durch einen ihr zugestellten Bericht
gewarnt worden. In diesem Bericht waren die beiden
wichtigsten Steueranreize im Rahmen der EOT-Gesetzgebung
(Employee Ownership Trust) detailliert beschrieben.
Der erste Anreiz gilt für die Partei, die das Unternehmen
verkauft. Diese Partei ist von der Steuer auf den
Verkauf des Unternehmens an einen EOT befreit (Kapitalertragsteuerbefreiung).
Diesen Anreiz hat Frau Reeves von 100 % auf 50 % reduziert.
In dem Bericht an Frau Reeves wurde festgestellt,
dass dieser Anreiz „ein starkes Verkaufsargument für
das EOT-Modell“ sei, „das es finanziell attraktiver
als andere Formen der Unternehmensveräußerung machte“.
Somit „hätten Änderungen der Kapitalertragsteuerbefreiung
die Aussicht auf einen Übergang zum EOT-Modell weniger
attraktiv gemacht“.
Der zweite Anreiz bezieht sich auf die Gewinne, die
das EOT nach dem Verkauf des Unternehmens an die Mitarbeiter-Eigentümer
ausschüttet. Diese Ausschüttung kann in Form einer
steuerfreien Prämie von bis zu 3.600 £ pro Jahr erfolgen.
Gemäß dem Bericht ist dieser Anreiz nicht ausschlaggebend
für den Erfolg des EOT-Modells, sondern wird „eher
als zusätzlicher Bonus denn als entscheidender Faktor
für die Entscheidung für ein EOT-Modell angesehen”.
Für ein vollständiges Bild muss man Folgendes wissen:
Beim ersten Anreiz handelt es sich um eine „einmalige
Maßnahme“. Dieser ist nicht nur äußerst wirksam, sondern
auch kostengünstig für das Finanzministerium. Der
zweite Anreiz dagegen ist zwar nicht unverzichtbar,
wird allerdings Jahr für Jahr wiederholt, was für
das Finanzministerium letztlich sehr kostspielig ist.
Und nun kommt die größte Unwahrheit von allen. Frau
Reeves äußerte sich besorgt über die Senkung der Kosten
des EOT-Modells für das Finanzministerium. Jedoch
entschied Frau Reeves, anstatt den zweiten Anreiz
zu reduzieren, der sehr kostspielig und ineffektiv
ist, den ersten zu senken, der kostengünstig und hochwirksam
ist. Eine ungewöhnliche Berechnung seitens des Finanzministeriums!
Was steckt hinter diesem Rätsel? Bitte üben Sie sich
in Geduld, denn die Erklärung wird in einer zukünftigen
Ausgabe dieser Chronik folgen. Manche Leser in Großbritannien
sind vielleicht bereits damit vertraut. Gerne senden
Sie uns bitte Ihre Informationen und Geschichten zu,
die uns in Zukunft sicherlich von Nutzen sein werden.
Es
gibt nur einen Weg, die Katastrophe abzuwenden. Es
ist unerlässlich, die 100-prozentige Steuerbefreiung
für Kapitalgewinne aus dem Verkauf eines Unternehmens
an Mitarbeitende wieder einzuführen.
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